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Schiedsrichter-Ikone Lutz Wagner begeistert die Königsteiner Fußballer!   Drucken 
Den Reigen der vielen Programmpunkte aus Anlaß des 100-jährigen Bestehens des FCK und der Fußballabteilung der Falkensteiner TSG eröffnete am 16. Juni der langjährige Bundesliga-Schiedsrichter Lutz Wagner, der mit einem Regelkundevortrag im voll besetzten FC-Vereinsheim die Mitglieder und Freunde des 1. FC-TSG Königstein begeisterte.Dass Regelkunde nicht trocken herübergebracht werden muss, zeigte der in Hofheim wohnende Wagner denn auch par excellence und brillierte mit etlichen schmückenden Anekdoten aus seiner langen Zeit im Profi-Fußball. Und sein diesbezüglicher Erfahrungsschatz ist denn auch wirklich reichhaltig, war er doch seit 1994 Spielleiter in der 1. Bundesliga, bis er im Mai diesen Jahres nach Erreichen der Altersgrenze von 47 Jahren und nach 200 Erstligapartien die Pfeife beiseite legte. Lebwohl gesagt hat Lutz Wagner der Schiedsrichterei jedoch beileibe nicht, ist er doch nun seit einigen Wochen Mitglied der neu zusammengesetzten Schiedsrichterkommission des DFB und hier als "Koordinator für Regelauslegung und -umsetzung, für Talentsichtung und Nachwuchsförderung sowie Basisarbeit" tätig und somit einer der absoluten Top-Leute auf der Funktionärsebene des deutschen Schiedsrichterwesens. Prädestiniert also, um Kärrnerarbeit an der Basis zu leisten. Ganz so verstand er seinen Besuch beim Königsteiner Jubelverein denn auch und bot faszinierende Einblicke in die Welt der "schwarzen Männer" (und Frauen). So gab er beispielsweise preis, dass er auch während der momentan laufenden Fußball-Weltmeisterschaft indirekt dabei ist. Er ist nämlich der «kleine Mann im Ohr» der RTL-Reporter. Das heißt: Bei allen Spielen, die der Privatsender aus Südafrika übertragen darf, berät Wagner live und via Telefon von zu Hause aus per Standleitung die im Stadion sitzenden Kommentatoren in allen kniffligen Regelfragen. "Wenn Sie sich also wundern, warum der Reporter binnen 30 Sekunden und nach der dritten Zeitlupe seine erste Meinung zu einem Foul oder einer möglichen Abseitsstellung um 180 Grad dreht, dann kann das durchaus mit mir zusammenhängen", erzählt Wagner schmunzelnd.
Aber er wartete auch mit interessanten Statistiken auf, in dem er beispielsweise kund tat, dass im Bereich des DFB wöchentlich 80.000 Spiele von den kleinsten Jugendfußballern bis hin zum Bundesligaspiel mit Schiedsrichtern zu besetzen seien, jedoch nur 75.000 Aktive an der Pfeife zur Verfügung stünden. Nachwuchs ist also gefragt und man kann Wagner voll und ganz attestieren, dass er an diesem Abend auf ebenso überzeugende wie sympathische Weise alles tat, um für seine Gilde positiv zu werben und bei seinen Zuhörern ehrliches Verständnis für das ebenso schwere wie verantwortungsvolle Amt zu wecken. Neben Statistiken und Ausführungen zu der immer mehr an Bedeutung gewinnenden Psychologie rund um das Schiedsrichtern im Profibereich ("Pfeifen Sie mal vor 82.000 Zuschauern in einem Hexenkessel wie in Dortmund....") hatte er denn auch Spielszenen aus diversen Bundesligaspielen mitgebracht, die er via Beamer "an die Wand warf" und die zu ebenso regen wie kontroversen Diskussionen führten. Manch einer, der sich bis dato für einen unschlagbaren Regelprofi hielt, musste erstaunt schlucken, als Wagner über den wahren Sachverhalt mancher Filmsequenz aufklärte. Besonders "naseweis" waren die Nachwuchskicker des 1. FC-TSG, die den amüsierten Referenten mit etlichen Fragen "löcherten" und dabei neben einem erstaunlichen Erinnerungsvermögen auch ein bemerkenswertes Fach- und Detailwissen an den Tag legten ("Herr Wagner, können Sie sich erinnern, es gab 2006 beim WM-Spiel Australien gegen Kroatien den englischen Schiedsrichter Poll, der dem Spieler Simunic dreimal die gelbe Karte gezeigt hat.....") Das Salz in der Suppe waren zweifellos die Geschichten rund um das getretene Leder, die Wagner wahrscheinlich wie kein Zweiter zum Besten geben kann: Egal, ob Lothar Matthäus, Toni Polster oder andere - eine humorvolle Begebenheit aus dem regelmäßigen Zusammentreffen auf dem Rasenviereck konnte Wagner über viele Stars des Geschäfts erzählen, ohne dass dabei auch nur der Anflug eines eventuellen Kokettierens mit der eigenen Bekanntheit aufkam oder er irgend jemanden bloß stellte. Seine Feststellung: "Die Originale unter den Spielern werden heute immer seltener". Der Königsteiner Fußballfamilie gefielen diese Geschichtchen sichtlich und hörbar und so kam es zu einer 2-stündigen höchst unterhaltsamen Mixtur aus jederzeit im Rahmen bleibendem Entertainment und erstklassigem theoretischen Unterricht. Der mit Wagner bekannte FC-TSG-Präsident Jörg Pöschl bedankte sich denn auch beim Referenten für den wahrlich gelungenen Abend mit einem beschrifteten "Königsteiner Äppelwoi-Bembel" und der junge Königsteiner D-Jugendspieler Niklas Bind (12), der sich seit Wochen und Monaten mit dem Gedanken trug, demnächst vielleicht einen Lehrgang zur Erlangung einer offiziellen Schiedsrichterlizenz zu besuchen, war sich am Ende auch mehr denn je sicher, dass sein Weg nun defintiv und ohne wenn und aber in die Schiedsrichterei führen wird. Und während die Königsteiner Fußballer nach dem offiziellen Teil noch bei einem Kaltgetränk mit Lutz Wagner im Vereinsheim zusammensaßen und so nebenher im Hintergrund der Fernseher mit der Live-Übertragung des WM-Spiels der gastgebenden Südafrikaner gegen Uruguay lief, wurde es ungewollt gleich wieder ernst für den Hofheimer: Elfmeter für Uruguay und damit verbunden eine rote Karte für den südafrikanischen Torhüter - die Wellen der Empörung an der Theke des Königsteiner Vereinsheimes schlugen hoch, aber nachdem der herbeigerufene Wagner sich die Szene angeschaut hatte und die Entscheidung seines schweizerischen Kollegen als "absolut korrekt" eingestuft hatte und dies auch plausibel erklärte, war plötzlich unisono zu vernehmen: "Wenn Lutz Wagner das sagt, ist es auch so!".



 

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