Aktion “Rote Karte der Gewalt” – Senioren setzen ein Zeichen

Foto: Nici Merz

04.11. Es ist zwei Wochen her und viele andere Ereignisse haben das Vorkommnis beim FSV Münster mittlerweile überrollt, als ein Schiedsrichter nach einer Gelb-Rot Entscheidung vom betroffenen Spieler bewusstlos geschlagen worden ist. Es gab den Streik in Berlin, wo die Plätze am folgenden Spieltag leer blieben und es gab deutschlandweit viele Solidaritätsbekundungen für die Schiris, die ihre Wochenenden im Amateursport tausenden von Kindern und Jugendlichen für nicht mehr als ein unbedeutendes finanzielles “Dankeschön” widmen. Weil es ihnen Spaß macht, weil sie Kindern und Jugendlichen diese Spiele ermöglichen wollen, aus Idealismus.

Auch der 1. FC – TSG Königstein hat sich auf Anregung des FC Karben selbstverständlich angeschlossen und die “Rote Karte der Gewalt” gezeigt. Beim Spiel der Senioren am 03. November in Karben schlossen sich beide Mannschaften für diese Solidaritätsbekundung zusammen (siehe Foto).

Nur so schnellebig wie unsere Gesellschaft ist, so vergesslich ist sie auch. Noch wirkt eine gewisse Sensibilisierung nach, aber es steht zu befürchten, dass auch diese in nicht allzu langer Zeit wieder nachlässt. Außerdem muss auch klar sein, dass diese Achtsamkeit über die Schiedsrichter hinaus angewendet werden muss. Beleidigungen übelster Art, aber auch unnötig harte körperliche Attacken zwischen Spielern gegnerischer Mannschaften, unangemessene Kommentare von Trainern und Betreuern sowie unverschämte Beiträge von Eltern gegen einzelne Spieler oder auch Trainer des anderen Teams. Und es sei ganz deutlich gesagt, dass es dabei keineswegs auf das Bildungs- oder Einkommensniveau, Herkunft, Berufsgruppen etc. ankommt. Es geht zurück auf simple unkontrollierte Instinkte, die bei der Witterung eines “Gegners” offenbar aktiviert werden können. Es lässt sich nur als klare Niederlage bezeichnen, zugestehen zu müssen, dass alle Beteiligten nicht alleine, aufgrund ihrer Menschlichkeit, ihrer Vernunft und somit aus purem Respekt den Mitmenschen gegenüber, heraus in der Lage sind, “anständig” miteinander umzugehen.

Es ist ganz offensichtlich, dass es der schwerste Teil ist, eine Kettenreaktion von immer schlimmer werdenen Aktionen zwischen gegnerischen Gruppen zu durchbrechen, insbesondere, wenn das eigene Kind in irgendeiner Form davon betroffen ist. Aber von wem, wenn nicht von reifen, mündigen, mutigen und vernünftigen Menschen, soll es gerade der junge Nachwuchs richtig lernen?

Und um noch einmal auf die Schiedsrichter zurück zu kommen. So hat der FC Königstein letztes Jahr Schiris im Teenager-Alter ausbilden lassen, von denen zwei mit großer Begeisterung im Einsatz sind. Ihnen wird schon bei friedlichen Spielen eine Menge Stärke abverlangt, wenn sie Entscheidungen treffen müssen, insbesondere, wenn es letztlich Strafen sind. Aber dafür sind sie zu bewundern und zu bestärken. Als Verein wollen und müssen wir diese jungen Nachwuchskräfte schützen und es wäre eine Schande, wenn diese Jungs aus Angst vor Übergriffen den Job hinwerfen würden.

Denn sieht man es einmal andersherum, so kann es keine Spiele mehr geben, wenn die Schiedsrichter fehlen bzw. schließt man konsequent jene Spieler oder gar Mannschaften aus, die selbst oder deren Anhänger auf die beschriebene brutale Weise agieren, so ist sicherlich so manchem eine der wichtigsten Nebensachen der Welt genommen. Da kann ein jeder auch von alleine drauf kommen…

Comments are closed.